• Hallo Zusammen


    Mir geistert im Moment ein Projekt durch den Kopf, bei welchem ich noch nicht ganz weiss, wie man dies optimal umsetzen soll...
    Ich wollte schon lange einen Hirschkopf 1:1 schnitzen.
    Anschliessend hätte ich diesen gern mit ein paar schönen Abwurfstangen versehen..
    Nun ist ein Rothirsch nicht gerade klein. Das heisst da kommt schon einiges Holz zusammen...
    Die Idee wäre den Kopf mit Geweih an die Wand zu hängen...
    Die Geweihstangen wiegen je Stück zwischen 2 und 3 Kg! Also ca. 6 Kg alleine das Geweih.
    Schnitzen würde ich das ganze in Linde...ich habe Bohlen in der Dicke von 13.5cm. Diese müssten sicherlich 1x verleimt werden.
    Um Rissbildungen vorzubeugen und natürlich auch das Gewicht zu deduzieren müsste sicherlich ein Teil des Holzes im Innern (ähndlich einer Maske) entfernt werden.
    Wie würdet ihr den Faserverlauf des Holzes nehmen? Horizontal oder vertikal?
    Hat jemand schon etwas ähndliches gemacht?

    Bilder

    • Hirsch.JPG

    :thumbsup:
    Die einzige Alternative zur Sackgasse
    ist der Holzweg.....

  • Hallo dergrenzer
    Ein tolles Vorhaben! Die von der Stabilität her empfindlichsten Teile des Kopfes sind die Ohren. Nach deren Stellung würde ich den Faserverlauf ausrichten, sofern es das Holz zulässt. Eher senkrechte Ohren (Lauscherstellung) aus quer verlaufendem Holz liessen sich weniger gut schnitzen und wären bruchgefährdet.


    Viele Grüsse an den Walensee


    Seehaas

  • Hallo Tom,
    den Holz Verlauf würde ich nur vertikal wählen, da Du ansonsten zu viel Hirnholz schnitzen musst.
    Für die Ausführung des Hirschkopfes, würde ich mir einen konisch verlaufenden Rohling verleihen.
    Dann hast Du nur unten im Maulbereich ü. oben im Kopf Bereich Hirnholz.
    Die Ohren würde ich solo machen u. andübeln.
    Viel Glück für Dein neues Projekt.
    Solltest Du Fragen wegen dem Rohling haben melde Dich.
    Als Schreiner ist die Herstellung eines solchen Rohlings sicher nicht das grosse Problem
    Welche Abmessungen hat der Hirschkopf.
    Gruss
    Otmar

    Wissen ist Macht - Nichtswissen ist Ohnmacht - Nichtstun macht träge und krank <3

  • Wir hatten mal einen Rehbock-Kopf in Lebensgröße für einen Kunden fräsen müssen.
    Wie man auf den Fotos sieht hatten wir den Faserverlauf von Hals zu Stirn genommen und die Ohren extra angesetzt.

  • Mensch Tom, da hast Du aber ein gewaltiges Projekt vor! Klasse! Aber zum Schnitzen gehört auch, "mal" die schwierigen Wege gehen. :thumbup:


    Zu deinen Fragen: Das Brett würde ich nicht höhlen. Bedenke, dass würde das Holz zu sehr Schwächen. Wenn Du Bohlen hast mit stehenden Jahresringen und die abgelagert sind, werden die auch nicht reißen. Sie werden auch enorm an Gewicht verlieren, durch das Schnitzen selbst. Auch die Geweihstangen brauchen viel Umgebungsmaterial damit sie nicht ausbrechen.


    Ob Du nun mit oder gegen die Holzfaser schnitzt, spielt eigentlich keine Rolle. Je weiter ein Teil von der Grundform absteht, desto eher wird es abbrechen. Deshalb sollte man z. B. "nie" bis zu einem Winkel von 90 Grad gehen. Egal welches Holz man schnitzt.


    Das Heißt also: Du solltest mindestens das Ohr des Hirsches anleimen. Also ein Stück Holz auf die Grundform aufleimen.


    Dazu müssen aber die Leimflächen "absolut" plan sein. Ich würde dir vorschlagen, die Bohlen bevor Du mit schnitzen beginnst, durch einen Dickenhobel/Abrichte zu jagen. Sicherlich hast Du keine. Ich lasse das immer bei meinem Schreiner machen. Durch das Abrichten bekommt man gleichzeitig eine eventuelle Wölbung aus dem Holz, und es wird natürlich durch den Materialverlust leichter. Sollte daduch die Bohle zu dünn werden (jenachdem wie stark die Wölbung ist), eine zweite Bohle, die ebenfalls abgerichtet ist, aufleimen. Dann das Holz fürs Ohr, oder was sonst noch absteht (Ansätze fürs Geweih eventuell) aufleimen, und mit überschnitzen. So sieht man später die Leimfugen nicht mehr. Wenn Du plane Leimflächen hast, brauchst Du auch keine Dübel.


    Gruß
    Jakob

  • Das Anleimen von Holz für die Ohren, wie es Tasmandevil vorgeschlagen hat, ist eine Option. Aus Erfahrung mit meinem Steinbock (s. Schaukasten) möchte ich vorsorglich auf eine Gefahr hinweisen: Soll der Kopf nur im Innenbereich platziert werden, besteht kein Problem. Soll er jedoch im Aussenbereich, z.B. an einer besonnten Terrasse, aufgehängt werden, kommt es durch die starken Temperatur- und Feuchtigkeitsunterschiede zu Spannungen im Holz, die je nach Maserungsverlauf unterschiedlich sind. Liegen Teile mit Hirn- und Langholz unmittelbar aneinander, kommt es zu derartig unterschiedlichem Arbeiten des Holzes, das die Verbindung gesprengt wird. So ist es mir mit den Hörnern des Steinbocks und der leicht flexiblen und wasserfesten Verbindung mit Heisskleber passiert. Erst ein hoch flexibler und überstreichbarer Baukleber konnte das Problem entschärfen.


    Viele Grüße von Seehaas

  • Hallo Seehaas, Lindenholz eignet sich generell nicht fürs Freie. Das verwittert so schnell, schneller als man gucken kann.


    Ich habe mal zu beginn meiner Schnitzerlaufbahn eine Madonna fürs Grab meiner Eltern geschnitz. Aus Lindenholz. Die ist schuhschwarz verfault, trotz mehrfachem Klarem Schutzlackanstrich.


    Gruß
    Jakob

  • Hallo Zusammen!
    Vielen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen und Ideen-Vorschläge!
    Vielen Dank auch an Thomas für die Bilder des Rehbocks. Das ist genau das,was mir vorschwebt, allerdings einfach eine Nummer grösser.
    Der Hirschkopf ist definitiv für den Innenbereich- Linde lässt sichhervorragend bearbeiten, aber wetterbeständig ist sie leider nicht.
    Ich werde nächste Woche ein paar Bücher in der örtlichen Bibliothek besorgenum mich mit der Anatomie der Hirsche vertraut zu machen.
    Anschliessend werde ich die Bohlen plan hobeln lassen und einen Rohlinganfertigen...
    die weiteren Schritte werde ich wie üblich in meiner Werkbank dokumentieren.
    Allen ein schönes Wochenende!
    Gruss Tom

    :thumbsup:
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  • Hallo Seehaas, Lindenholz eignet sich generell nicht fürs Freie. Das verwittert so schnell, schneller als man gucken kann.


    Ich habe mal zu beginn meiner Schnitzerlaufbahn eine Madonna fürs Grab meiner Eltern geschnitz. Aus Lindenholz. Die ist schuhschwarz verfault, trotz mehrfachem Klarem Schutzlackanstrich.

    Hallo Tasmandevil
    ich hatte übersehen, dass laut #1 das Projekt in Lindenholz ausgeführt werden soll. Ungeschützt verwittert Linde sehr schnell, darin stimme ich Dir zu. Aber das gilt doch für die meisten einheimischen Hölzer (ausser Akazie und Weide). Den von Dir damals gewählten Schutzanstrich mit Klarlack halte ich aus 2 Gründen für ungeeignet im Aussenbereich, so dass die von Dir beschriebene Folge mich nicht wundert. Klarlack enthält keine Pigmente, so dass die UV-Strahlung den Lack durchdringt und das das Holz stabilisierende Lignin zerstört. Weiter ist Klarlack nicht genügend flexibel, um die im Aussenbereich durch Temperaturschwankungen verursachten Dehnungen im Holz zu überbrücken. Es kommt zu kaum sichtbaren Haarrissen, durch die aber Feuchtigkeit eindringen kann. "Geschützt" durch noch intakte Lackfilme kann die Feuchtigkeit nicht entweichen und seine zerstörende Arbeit am Holz aufnehmen. Das Ergebnis hast Du beschrieben.
    Verhindern kann man das nur durch offenporige Lasuren oder spezielles, pigmentiertes Aussenöl. Letzteres verwende ich seit Jahren mit Erfolg nicht nur Verbretterungen, sondern auch Schnitzereien (s. Älpler und Steinbock), die im Garten stehen. Alle 1-2 Jahre ohne Vorschliff wieder einölen, und es sieht wieder wie neu aus.
    Dieser Beitrag gehört eigentlich in einen anderen Abschnitt, doch ich wollte auf Deinen Hinweis eingehen.


    Viele Grüße von Seehaas

  • Hallo Seehaas,


    prinzipiell stimme ich dir zu. Aber speziell bei der Linde nicht. Der Linde fehlen die natürlichen Schutzstoffe gegen Fäulnis und Pilzbefall. Da helfen Lasuren auch nichts. Meine Madonna hatte ich im ersten Jahr auch nur mit einer fürs Freie geeigneten klaren Lasur gestrichen.


    Schon in diesen Jahr zeigten sich erste Spuren von Vergang. Erst dann habe ich mit einem speziellen Klarlack gestrichen.


    Dein Steinbock und das Älpler-Gesicht sind doch nicht aus Linde, oder?


    Wir haben schon heimische Hölzer die mehr oder weniger fürs Frei geeignet sind. Allen voran die Eiche, dann wie Du schon erwähnt hast, die Robinie (Scheinakazie) und eventuell noch die Zirbelkiefer.


    Eiche und Robinie lassen sich aber nur sehr schwer schnitzen. "Mir" sind die zu hart! Denke nur daran, wenn du bei diesen Hölzern Stirnholz schnitzen musst. Die Zirbelkiefer hält etwas länger durch als andere Nadelhölzer, hat aber zu viele Äste.


    Ich habe lange gesucht bis ich ein Holz gefunden habe, das sich gut schnitzen lässt, und auch fürs Frei geeignet ist. Unter den heimischen Hölzern habe ich keines gefunden. Da gibts auch keins. Jedenfaffs keins das die Schnitzeigenschaften von Linde hat.


    Nicht mal die großen Holzhändler in Deutschland konnten mir da weiterhelfen.


    Durch langwierige Recherchen bin ich dann auf ein Holz gestoßen, dass in seiner Schnitzbarkeit mit der Linde, und in seiner Resistenz gegen Fäule, mit Eiche vergleichbar ist.


    Es ist die "Canadian red Cedar". Wenns dich interessiert, schau mal hier in der Rubrik "Holz" nach. Da habe ich dieses Holz genauer beschrieben.


    Sicherlich gibt es noch etliche andere ausländische Hölzer die gut schnitzbar sind, und auch fürs freie geeignet sind. Nur wir kennen diese Holzarten nicht. Auch die Holzhändler kennen die Hölzer nicht. Die haben ihr Programm, alles andere interessiert die nicht. Ist ja auch verständlich.


    Es gibt auch keine Datenbank (so wie es sie für Bauhölzer etc. gibt) über "Schnitzhölzer", in der "von Schnitzern weltweit" die Schnitzeigenschaften "ihrer" Hölzer zusammengetragen sind. Stell dir vor was das für ein Gewinn für uns Schnitzer wäre!!


    Gruß
    Jakob

  • Es gibt auch keine Datenbank (so wie es sie für Bauhölzer etc. gibt) über "Schnitzhölzer", in der "von Schnitzern weltweit" die Schnitzeigenschaften "ihrer" Hölzer zusammengetragen sind. Stell dir vor was das für ein Gewinn für uns Schnitzer wäre!!

    Eine eigentliche Datenbank gibt es leider wirklich nicht...aber ein paar Infos zum Material findest du unter:
    Materialarchiv
    Hier findest du alles mögliche..Hölzer, Adlerfedern :P usw.

    :thumbsup:
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  • Hallo Tom,


    danke für den Link. Den hattest Du hier schon mal vorgestellt. Das Nachschlagewerk ist sehr gut, und umfangreich. Hölzer z. B. werden dort ausführlich beschrieben.


    Ich meinte aber eine Datenbank die von Schnitzern für Schnitzer erstellt wurde. Mir geht es darum, zu erfahren, welche Hölzer benutzen unsere Kollegen weltweit. Für mich wäre das sehr interessant. So gibt es z. B. in Afrika jährlich ein Treffen Afrikanischer Schnitz-Künstler. Dort habe ich Sachen gesehen da bleibt dir die Spucke weg.
    Mit den einfachsten Schnitzeisen schaffen die große Kunstwerke.


    Nur ein Schnitzer selbst kann sagen, ob sich ein Holz gut schnitzen lässt oder nicht. Mit gut schnitzen meine ich "mindestens" die Eigenschaften von Linde.


    Nun kennt kein einzelner Schnitzer alle Hölzer auf der Welt, die sich besonders gut zum Schnitzen eignen. Es müsste sich also jemand finden, der Weltweit unter Schnitzern recherchiert.


    Wenn ich wüsste wie man soetwas angeht, würde ich es machen.



    Gruß
    Jakob

  • Hallo Tom,


    Auch eine sehr gute Datenbank! Hab mal gestöbert. Da wir z. B. auch die so genannte "Janka-Härte" (internationaler Wert für die Härte eines Holzes) für jedes Holz angegeben. Das ist schonmal "ein" wichtiger Hinweis auf die Schnitzbarkeit der Hölzer. Je niedriger der Wert desto weicher das Holz.