Hallo Kollegen,
man kann es ja immer wieder lesen, wenn es ums Schnitzen geht, dass prinzipiell alle Hölzer schnitzbar sind. Das ist blanker Unsinn. Wenn es darum geht, ein Stück Holz in Späne zu zerlegen, mag die Aussage ja zutreffen, mit Schnitzen hat das aber nichts zu tun. Man würde ja auch nicht zu einem Pilzsammler sagen: Im Prinzip sind alle Pilze essbar, was ja auch stimmt, denn sie sind ja z. B. nicht aus Stein. Also kann man sich die Aussage "prinzipiell Schnitzbar" von vorneherein sparen. Ich kann mir vorstellen, dass so mancher Schnitzanfänger auf diese Aussage vertraut hat und dann sein blaues Wunder erlebt hat. Er dann ganz schnell kapituliert hat und sein Schnitzwerkzeug in die Ecke geworfen hat.
Auch der Hinweiß "gut schnitzbar" sagt nichts aus! Eine Möhre oder eine Kartoffel ist auch gut schnitzbar. Ist damit die Härte eines Holzes gemeint? Was kann ein Anfänger damit anfangen? Da bekommt man zwei Wörter vor die Füße geworfen, und sagt im Grunde damit, so jetzt sieh mal zu was Du damit anfangen kannst. Diejenigen die Hölzer, ob es heimische oder Überseehölzer sind im "einzelnen" in gut oder nicht gut schnitzbar einteilen, können diese Aussage überhaupt nicht treffen. Es ist nämlich nicht möglich alle Hölzer "selbst" geschnitzt zu haben. Nur derjenige kann es, der es auch von "Hand" geschnitzt hat. Wenn ich schreibe schnitzen meine ich auch schnitzen. Ich meine nicht Drechseln oder mit einem anderen Schneidwerkzeug bearbeiten. Nein, von Hand, und selbst mit "Schnitzmesser und Schnitzeisen/Schnitzbeitel"!
Das die Linde in unserer Heimat als sehr gutes Schnitzholz bezeichnet wird, hat seine volle Berechtigung. Das kann man aber auch nur sagen, da es für die Linge seit Jahrhunderten dokumentiert ist. Kein anderes heimisches Holz wurde und wird so oft geschnitzt wie die Linde.
Leider ist mir auch keine Literatur bekannt, die im "Detail" darauf eingeht, wie ein Holz beschaffen sein muss, damit es als gut oder sehr gut schnitzbar bezeichnet werden kann. Mit dieser Literatur meine ich eine, die auf die Anforderungen im speziellen eingeht, die ein Schnitzer/Holzbildhauer an ein Holz stellt.
Für jeden Schnitzer, ich meine damit auch die Profis, ist es unmöglich alle Hölzer die es weltweit gibt, schon geschnitzt zu haben. Nur dann könnte man sagen, "das" sind die besten Schnitzhölzer. Man kann also nicht sagen, Linde ist das Beste Schnitzholz. Das Wort "heimische" gehört immer vor das Wort Schnitzholz, wenn es um die Linde geht.
Ich gehe sogar soweit, zu sagen, die Linde ist nicht unbedingt das Schnitzholz mit dem ein Anfänger beginnen sollte. Ich sage viel eher, besorge dir erst einmal alle heimischen Hölzer deren du habhaft werden kannst. Das können Abfallstücke sein, die in einer Schreinerei anfallen. Dann teste mal, mit welchem Holz kommst Du am Besten zurecht.
Für eine schmächtige Person, kann auch Linde schon zu hart sein! Denn sooo weich ist die gar nicht. Wir haben heimische Hölzer die in ihrer Härte (Janka/Birnell) wesentlich weicher sind. Die Linde ist lediglich als das Beste heimische Schnitzholz zu bezeichnen, das sie entsprechend ihrer Struktur in "alle" Richtungen hervorragend zu schnitzen ist. Das man Details ausarbeiten kann, die nicht wegbrechen.
In alle Richtungen sehr gut schnitzbar zu sein, erfüllen aber auch andere Hölzer. Diese Hölzer suche ich. Das denke ich, ist das wesentliche an einem Schnitzholz. Kommt dann auch noch dazu, dass dieses Holz "relativ" weich ist, und es zudem auch noch witterungsbeständig ist, dann ist das für "mich" das Beste Schnitzholz.
Natürlich ist es auch für manche Schnitzer von Wichtigkeit, welche Maserung ein Holz hat. Hat es eine auffällige verschiedenfarbige Maserung, ist es weniger geeignet um figürlich zu schnitzen. Dafür nimmt man eher einfarbige unauffällig gemaserte Hölzer. Für mich ist das momentan aber zweitrangig. Für einen blutigen Anfänger sollte es sowieso zweitrangig sein.
Ich hatte ja geschrieben, das es unmöglich ist, sich alle Hölzer zu besorgen die es Weltweit gibt, um sie zu testen. Schließlich gibt es auch Hölzer die einem Importverbot unterliegen. Man müsste also schon in diese Länder Reisen, um das Holz vor Ort zu schnitzen. Dann dürfte man es aber immer noch nicht aus und einführen nach Deutschland. So ist das indische Sandelholz dermaßen geschützt, dass diese Bäume alle samt dem indischen Staat gehören. Gleich wo er wächst, ob auf einem privatgrundstück oder nicht. Nur die Besten indischen Schnitzer dürfen es schnitzen. Ist "ein Stück" Sandelholz im Besitz eines Schnitzers, muss es einen staatlichen Stempel tragen, der den Besitzer als rechtmäßigen Besitzer ausweist.
Schon die Hölzer, die im Holzhandel zu bekommen sind, diese alle zu schnitzen, auf ihre Schnitzbarkeit zu testen unter Berücksichtigung der Kreterien, die ich angeführt habe, das ist schon fast unmöglich. Es sei denn, man wäre bereit, Unsummen dafür auszugeben.
Was also tun, um seinen Horizont an Schnitzhölzern zu erweitern? Eine Hilfe gibt es schon. Im Internet gibt es einige Tabellen, die die Eigenschaften der verschiedensten Hölzer aufzeigen. Es sind Tabellen, die unter anderem, Hinweiße auf Schnitzbarkeit liefern. So den Härtegrade, gemessen in Birnell (deutsche Maßeinheit) oder Janka (englische Maßeinheit), die Witterungbeständigkeit/Eigenschutz gegen Insektenfraß, Resistenz gegen Pilzbefall , angegeben in Stufen von 1-5 und. Weiterhin das Wachstum des Holzes, enge oder weite Jahresring, feinporig oder grobporig.
Hiernach kann man sich dann gezielt Hölzer kaufen, und nach und nach testen, wie lassen sie sich schnitzen.
Bei den abgebildeten Hölzern hatte ich dem Händler freie Wahl gelassen, das hat zu fast nichts geführt. Er hat die Hölzer, bevor er sie mir geschickt hat ja nicht geschnitzt. Bis auf eines die "Oregon Myrtle" sind sie alle schlecht schnitzbar. Die Mirthe (englisch Myrtle), lässt sich in alle Richtung gut schnitzen, sie neigt nicht zum splittern, sie ist von mittlerer Härte (ca 1200 birnell). Sie hat sehr feine engstehende Jahresringe, sehr kompakt und feinporig. Ihre Resistenz ist von mittlerer Güte.
"Mein" Fazit wenn es um Schnitzhölzer geht: Es sollte von mittlerer Härte sein (um die 1000-1200 Birnell), die Resistenz gegen Fäulnis, Pilzbefall und Insektenfraß im mittleren Bereich (2-3) liegen, es sollte kompakt, feinporig mit engstehenden feinen Jahresringen sein. Es sollte sich in alle Richtunge gut schnitzen lassen.
Ein Holz das in der Härte unter 500 Birnell liegt, dennoch die Höchste (5) Resistenklasse besitzt, kompakt ist, kaum oder keine Jahresringe (Hölzer die um den Äquator wachsen) besitzt, sich in alle Richtungen ohne Schwierigkeiten schnitzen lässt, so ein Holz wird kaum oder nicht zu finden sein. Das konnte ich bei meinen bisherigen Recherchen schon in Erfahrung bringen.
Es gibt zwar Hölzer (die canadische red cedar ist so eines), die sehr weich (unter 400 Birnell) sind und extrem geschützt sind gegen Verwitterung und Insektenfrass, die lassen sich aber z. B. nicht in alle Richtungen gut schnitzen. Diese weichen, witterungsbeständigen Hölzer sind meist Hölzer mit einem hohen Anteil an Ätherischen Ölen. Dann die Hölzer die Extrem hart, dicht und schwer sind, die sind auch sehr resistent, aber dann auch extrem Porös, sie Bröckeln sehr leicht.
So wie es aussieht, muss man sich eben mit dem Mittelmaß zufreiden geben. Ich werde aber weitersuchen, so habe ich bisher ja nur an der Oberfläche gekratzt, wenn es um die tausenden potenziellen Schnitzhölzer/ Holzarten geht.
So, ich hoffe das war jetzt nicht zu langweilig für euch.
Gruß
Jakob