hallo Sandra,
ich möchte dich etwas näher aufklären was die Die Schnitzhölzer in Deutschland betrifft. Grundsätzlich ist das Holz der Linde das Holz, was für einen Schnitzanfänger am besten geeignet ist.
Es ist aber was die Maserung betrifft, dass langweiligste Schnitzholz überhaupt.
Ich schnitze ja jetzt auch schon ein Paar Jahre, und bin immer noch auf der Suche nach "schnitzbaren" Hölzern, die auch eine schöne Maserung haben.
Die wachsen auch bei uns! Aaaaber, das sind alles "Harthölzer". Nicht nur das sie sehr hart sind, sondern sie splittern auch wenn man sie schnitzt! So haben fast alle Obstbaum Hölzer eine schönere Maserung als die Linde. Diese Hölzer stellen auch größere Ansprüche an dein Schnitzwerkzeug. So schnitzt man diese Hölzer, mit einem steileren Schneidwinkel der Schnitzeisen. Wenn Du nun Schnitzeisen mit einem Schneidwinkel von ca. 23 Grad hast, müsstest Du deine Schnitzeisen für diese Harthölzer alle umschleifen. In den einschlägigen Holzlexika (findest Du auch im Internet) werden viele, auch heimische Harthölzer als gut schnitzbar beschrieben. Das stimmt aber meist so nicht. Das "gut schnitzbar" bezieht sich auf die Härte des Holzes. Wenn es gerade nicht so hart ist wie die Hainbuche (unsere härtestes heimische Holz) gilt es schon als gut schnitzbar. Darauf kommt es bei einem Schnitzholz aber nicht "nur" an. Ein Schnitzholz, sollte langsam gewachsen sein, so das die Markstrahlen gut verholzt sind. Es sollte enge Jahresringe haben. Es sollte feinporig sein. Es sollte ein kompacktes Holz sein bei dem man die Feinsten Formen ausschnitzen kann. Viele Schnitzhölzer die als gut bezeichnet werden sind regelrecht in Schichten aufgebaut. Wenn man sie schnitz, lösen sich die Schichten voneinander. Die Feinheiten beim Schnitzen brechen weg.
Auch die Schnitztechnik ist eine andere als bei der Linde. So muss man bei diesen Hölzern meist "jeden" Schnitt mit einem Gegenschnitt beenden. Sonst brechen dir dicke Splitter aus dem Holz.
Sicherlich hast du an Bäumen schon solche dicken runden Verwachsungen gesehen. Meist am Stamm. Das sind Krebsgeschwüre am Baum. Man nennt sie "Maserknollen". Dort drinnen stecken die schönsten, ausgeprägtesten Maserungen die ein Baum haben kann. Die bekommst Du im Holzhandel, aber nicht bei einem allerweltsholzhandel, der mit Bauholz handelt.
Also fassen wir zusammen: Das Holz soll nicht so hart sein, es soll nicht splittern und es soll eine schöne Maserung haben. Das schränkt die verfügbaren (heimischen) Hölzer sehr stark ein.
Die Drechsler habe es da wesentlich einfacher. Für die stehen Hölzer in Hülle und Fülle zur Verfügung. Auf der Drechselbank kann man auch die härtesten Hölzer bearbeiten. Für die gibt es Hölzer mit den atemberaubensten Maserungen.
Ich habe selbst lange Zeit gedrechselt und nenne dir jetzt mal ein Paar Hölzer, wenn Du deren Maserungen siehst bleibt dir die Spucke weg. Schlangenholz (sehr teuer) wenn es bearbeitet ist, sieht es aus als wäre es Mamor. Rosenholz (duftet intensiv nach Rosen), durchzogen mit weißen und roten Linien. Königsholz, bläulich violette Maserung (duftet intensiv nach Veilchen). Zebrano, schwarz graue Maserung. Bocote, durchzogen mit dunkelbraunen Linien. Cocobolo, Maserung von gelb bist Dunkelrot. Da ware jetzt nur einige Hölzer die ich gedrechselt habe. Die Hölzer mit den schönsten Maserungen, stammen "ausschließlich" aus Übersee. Afrika, Asien, Südamerika.
Als ich dann das Drechseln aufgegeben hatte (wurde mir mit der Zeit zu teuer, wegen diesen Hölzern), habe ich dummer weise alle Hölzer die ich noch hatte, mit der Drechselbank verkauft. Ein Fehler den ich jetzt bitter bereue. Jetzt als Schnitzer hätte ich testen können welche dieser Hölzer auch gut schnitzbar gewesen wären.
Als ich mit dem Schnitzen begann, dachte ich, es wirt kein Problem sein, jemanden zu finden, der dir sagen kann, welche Hölzer mit schönen Maserungen auch gut schnitzbar sind. Pustekuchen, konnte bisher niemand. Auch nicht die Spezialholzhändler die sich auf besondere Hölzer spezialisiert haben.
Das hat einen Grund. In Deutschland ist das Drechseln wesentlich verbreiteter als das Schnitzen. Also wissen die Spezialhändler auch nur um die Drechseleigenschaften ihrer Hölzer, da diese nachgefragt werden.
Wenn Du aber unbedingt außergewöhnliche "schnitzbare" Hölzer haben möchtest, bleibt dir nix anderes übrig als selbst die Holzarten auf schnitzbarkeit zu testen. Ich glaube auch nicht, dass dir ein Profischnitzer da weiterhelfen könnte. Wenn Du einen findest sage mir bitte bescheid! Du siehst es ja selbst, selbst hier in dem Forum für "Schnitzer" kann dir da niemand weiterhelfen.
Man müsste Kontakt mit Schnitzern Weltweit haben. Nur die könnten einem sagen, schnitzbar oder weniger schnitzbar. Ansonsten bleibt dir nix anders übrig als selbst zu testen.
Hier nun eine Adresse wo Du meines Wissens nach die größte Auswahl an einheimischen und Überseehölzern in Deutschland hast. Er hat sich spezialisiert auf den Handel mit Hobby-Holzwerkern. Die Firma hat ihren Sitz in Hamburg und ist Importeur sämtlicher Überseehölzer die nicht einem Einfuhrverbot unterleigen. Was er nicht vorrätig hat, wird er dir besorgen.
Die Internet-Adresse lautet: http://www.cropp-timber.com
Ich selbst habe bisher ein schnitzbares Holz mit sehr schöner Maserung gefunden. Es stammt aus Kanada und nennt sich "canadian red cedar.
Gruß
Jakob