• Hallo, liebe Hobbyschnitzer,

    die Einladung zum Geburtstag meines Schwagers und die damit verbundene Frage nach einem passenden Geschenk hat mir wieder ein neues Schnitzprojekt beschert. Ich habe eine Kuksa für ihn geschnitzt. Hoffe, dass sie ihm gefällt und dass er sie auch benutzt, z.B. beim Camping. Das macht er nämlich gerne.


    Hier noch zwei Bilder zum Werdegang. Zuerst wird aufgezeichnet, dann das Innere ausgedrechselt (geht schneller als Schnitzen):

    Nach dem groben Zusägen wird außen geschnitzt. Das sieht dann so aus:

    Zum Schluss wird die Tasse geschliffen und geölt.

    Gruß

    Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Hallo Bernd,

    die Form der Tasse gefällt mir.

    Für mich stellt sich die Frage: Kann man aus einer geölten Tasse trinken oder bedarf das eigentlich einer Versieglung, die auch heiße Getränke aushält?

    Grüße Berkow

    Wer nichts tut dem wird getan! ?(

  • Hallo Berkow,

    diese Form für eine Kuksa gefällt mir auch. Vor einigen Jahren bin ich im Internet zufällig auf einen japanischen Holzwerker gestoßen, der solche Tassen aus japanischer Kirsche professionell herstellt und verkauft. Dessen Form hat mir auf Anhieb derart gut gefallen, dass ich mir sagte: das musst du unbedingt auch mal ausprobieren. In Ermangelung eines hinreichend dicken Stückes Kirschbaum habe ich dafür allerdings Lindenholz genommen. Die Tasse, die dabei entstanden ist, benutze ich seit drei Jahren im Urlaub jeden Tag.

    Die hier gezeigte Tasse für meinen Schwager ist auch aus Lindenholz.

    Zum Ölen sollte man allerdings nur ein "lebensmittelechtes" Öl verwenden. Hierfür kommt Leinöl oder Walnussöl in Frage. Olivenöl und andere Speiseöle sollte man wegen des hohen Anteils ungesättigter Fettsäuren nicht nehmen. Diese Öle härten nämlich im Holz nicht aus, bleiben schmierig und werden ranzig. Ich habe Walnussöl genommen. Das ist ähnlich wie Leinöl ein weniger fettes Öl und daher gut für den Schutz von Holzoberflächen geeignet. Es trocknet zwar etwas langsamer als Leinöl, ist aber aus einer essbaren Baumfrucht gewonnen, feuert ebenfalls die Maserung an, schützt die Oberfläche und gibt ein wunderschönes Finish.

    Man kann sehr gut aus Holztassen trinken. Neue Kuksas müssen allerdings erst "eingetrunken" werden. Solange die Tassen nämlich noch neu sind, hat man einen mehr oder weniger intensiven Holzgeschmack dabei, aber der lässt bald nach und verschwindet nach einiger Zeit völlig. Dabei entsteht im Inneren der Tasse vom Tee und/oder vom Kaffee eine dunkle Patina.

    Spülen sollte man Kuksas allerdings nur mit Wasser, niemals mit Spülmittel.

    Gruß

    Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Hallo Addi,

    deine Frage kann ich nicht mit einer Zahl beantworten, würde aber sagen, dass man gar nicht so lange dafür braucht, wenn man gerne mit Holz arbeitet und das Anfängerstadium in diesem schönen Hobby erfolgreich hinter sich gebracht hat.

    Gruß

    Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Hallo, liebe Hobbyschnitzer,

    Über die Feiertage habe ich das Thema "Kuksa schnitzen" nochmal in Angriff genommen und habe 2 neue Kuksas geschnitzt, diesmal aber nicht aus Linde, sondern aus Kirschbaum. Ich fand in der Ecke meines kleinen Holzlagers noch ein gut durchgetrocknetes, kantholzförmiges Stück Kirsche, das von den Abmessungen her genau richtig für zwei Holztassen war. Eine davon habe ich bereits verschenkt, die Andere ist auf den Fotos zu sehen. Sie steht unter der Kaffeemaschine und wird gerade mit frischem Kaffee gefüllt. Sie ist 8,5 cm hoch, hat einen Außendurchmesser von 9,2 cm und eine Gesamtlänge (mit Griff) von 15 cm. Das Besondere: sie hat ein beachtliches Füllvolumen von 350 ml.

    Die kleinere Kuksa, die auf dem letzten Foto zu sehen ist, habe ich schon seit Herbst 2020 in Gebrauch. Das ist meine erste Kuksa, die ich geschnitzt habe. Sie ist 7,5 cm hoch, hat einen Außendurchmesser von 8,7 cm und eine Gesamtlänge von 14 cm. Da ihr Füllvolumen allerdings nur bei 175 ml liegt, war sie mir als Kaffeetasse eigentlich immer ein wenig zu klein.

    Das Fassungsvermögen der neuen Kuksa ist dagegen deutlich größer. Es ist vor allem deshalb so groß, weil ich mehr aus dem Stück Holz herausgeholt habe. Ich bin sozusagen an die Grenze des Machbaren gegangen, indem ich die Wandstärke der Tasse gegenüber der ersten Kuksa von 9 mm auf 5 mm reduziert habe. Die Stärke des Tassenbodens habe ich ebenfalls von 22 mm auf 7 mm erheblich reduziert. Das sieht man den Tassen von außen nicht an. Man spürt es aber am Gewicht: Die kleine Tasse ist schwerer als die Große (wenn beide Tassen leer sind).

    Meine Befürchtung, eine Wandstärke von nur 5 mm (bzw. nur 7 mm für den Boden) sei zu dünnwandig für eine Kuksa, hat sich nicht bestätigt. Die neue Tasse hält die Flüssigkeit genauso gut wie die alte Tasse. Beide Tassen sind 100% dicht. Erstaunlich auch, dass die kurzen Holzfasern in der dünnen Tassenwand den Belastungen einwandfrei standhalten. Dort, wo die Fasern am Kürzesten sind, habe ich die Wandstärke allerdings etwas erhöht, indem ich eine "Schnute" stehen gelassen habe, denn dieser Bereich ist, was die Festigkeit betrifft, normalerweise die Schwachstelle der Kuksa (weil die Fasern hier nicht tangential, auch nicht schräg, sondern gerade, bzw. rechtwinklig, durch die Tassenwand laufen).

    Wieder was gelernt.

    Gruß

    Bernd



    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Hallo Bernd,

    du verblüffst mich immer wieder. Ich habe mir gleich einen Artikel reingezogen, wie die Tassen hergestellt werden. Mit Drechseln ist da nix. Harte und exakte Schnitzarbeit verlangt so eine Tasse. Gratuliere zu dieser Idee. Gute Arbeit, die du hier vorstellst. Die Finnen könnten es nicht besser.

    Grüße

    Berkow

    Wer nichts tut dem wird getan! ?(

  • Hallo Berkow,

    ja, man muss exakt arbeiten, vor allem, wenn man möglichst geringe Wandstärken haben möchte. Da muss man aufpassen, dass man nicht zu viel weg schneidet. Das grobe Aushöhlen der Tasse habe ich aber doch an der Drechselbank gemacht. Das geht nicht nur leichter, sondern auch deutlich schneller. Das Stirnholz reißt beim Ausdrehen allerdings gerne aus (jedenfalls bei mir, weil ich nicht so gut drechseln kann und auch keine super teuren, sondern nur einfache Drechseleisen habe). Zum Teil gehen die Ausrisse tief ins Holz (bis zu 2 mm). Das bedeutet, dass ich die letzten 2 mm vom Innendurchmesser entweder wegschleifen oder wegschnitzen muss. Man schleift allerdings extrem lange, bis man 2 mm Stirnholz abgetragen hat. Deshalb gehe ich nach dem Ausdrehen mit meinen Schnitzeisen rein und trage die letzten 2 mm Wandstärke in klassischer Schnitzarbeit ab. Insofern hast du Recht: das ist und bleibt immer noch harte und exakte Schnitzarbeit.

    Die finnischen Kuksas habe ich im Sommer 2022 in Inari (Finnland) auch bewundert. Die sind zwar nicht unbedingt schöner (nun ja, das ist Geschmacksache), dafür aber aus edlerem Material. Hier (siehe Foto) habe ich auch die Idee mit der "Schnute" entdeckt. Die verstärkt die Kuksa an ihrer schwächsten Stelle. Für eine handgefertigte finnische Kuksa kann man dann aber auch schon mal locker mehrere hundert bis weit über tausend Euro auf den Tisch legen...

    Gruß

    Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Die kleinere Kuksa, die ich schon seit Herbst 2020 benutze, habe ich innen noch mal überarbeitet. Das Resultat: das Füllvolumen konnte von ca. 175 ml auf ca. 230 ml vergrößert werden. Das meiste Material habe ich dabei am Tassenboden abgetragen, indem ich am Bohrständer (bzw. an der Säulenbohrmaschine) mit einem Forstnerbohrer, Durchmesser 40 mm, etwa 12 mm tief gebohrt habe. Das Bohrloch wurde mit Schnitzeisen bis zur Wand hin aufgeweitet. Danach wurden sowohl Boden als auch Innenwand noch mal komplett überschnitzt. Zm Schluss geschliffen. Die Tasse gehört weiterhin zum Inventar meines Wohnwagens und leistet mir im Campingurlaub nach wie vor gute Dienste.

    Gruß Bernd

    p.s.: Beim Bohren hat es aufgrund eigener Unvorsichtigkeit leider einen kleinen Ausbruch am Rand der Tasse gegeben (auf dem Foto rechts neben dem Griff zu sehen), der sich aber wieder "wegschnitzen" ließ.

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

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