Beiträge von TreibHolz

    Leute,

    bitte nicht auf der persönlichen Ebene argumentieren. Bitte bleibt sachlich! Denkt an den Titel dieses Threads und gebt bitte nur dazu eure Beiträge. Es würde mich nicht wundern, wenn sich Matthias, der sich hier eingeloggt hat, weil er Interesse am Schnitzen hat, und einfach einige Fragen zur Werkzeugauswahl hatte, nicht mehr meldet.

    Wenn ich so einen Thread als Antwort auf meinen Einstieg in dieses Forum hätte lesen müssen - ich hätte mich jedenfalls nicht mehr gemeldet. Dieses Forum wäre für mich erledigt gewesen. Das soll doch nicht sein - oder?

    Ich stimme Berkow zu: wir sollten diesen Thread sofort beenden und uns wieder den Sachthemen zuwenden! Das gilt für die unbekannten neuen ebenso wie für die schon seit Jahren engagierten Mitglieder dieses Forums.

    Es wäre schade, wenn uns das nicht gelingt.

    Gruß Bernd

    Hallo Mr. Noname,

    vielen Dank für deine Ergänzungen. Meine Antwort auf die Fragen von Matthias war vielleicht etwas missverständlich. Mit Einhandschnitzen meine ich nicht die klassische Bildhauerei, sondern jene Schnitztechnik, bei der das Schnitzwerkzeug (das ist in den meisten Fällen ein Messer) mit nur einer Hand geführt wird, während die andere Hand das Werkstück festhält. Das nenne ich "Einhandschnitzen". Die andere Variante ist das Schnitzen mit beiden Händen. Dabei ist das Werkstück fixiert (eingespannt, festgeklemmt oder festgeschraubt) und beide Hände führen das Werkzeug in/durch das Holz (mit oder ohne Klüpfel-Unterstützung).

    So gesehen gibt es das Einhandschnitzen also doch. Im Englischen wird es "Whittling" genannt, das vom "Carving" unterschieden wird.

    Gruß Bernd

    Hallo Matthias,

    zunächst einmal herzlich willkommen hier im Hobbyschnitzer Forum. Schön, dass du mit dem Schnitzen anfangen willst. Über den ersten Anfang bist du ja schon hinaus, denn du hast dich im Blick auf die Schnitzeisen ja schon ordentlich schlau gemacht.

    Nun zu deinen Fragen:

    1. "Bei den Klingenformen gibt es ja einmal die klassische Messer Form und dann Hohleisen, Geißfuß, etc." Antwort: Hohleisen, Geißfuß, etc. sind keine Messer, sondern Beitel, auch als Stechbeitel, Kerbschnitzbeitel und/oder Bildhauerbeitel bekannt.
    2. "
Ich hatte davor nur das „Michel aus Lönneberga“ Bild vom Schnitzen im Kopf,"
    Antwort: Der „Michel aus Lönneberga“ wird wohl ein Morakniv benutzt haben. Das ist deutlich größer als ein Rosenmesser und wird für deine Zwecke ebenfalls gut zu gebrauchen sein.

    3. "Gibt es da jetzt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens oder verwendet man da immer beides?" Antwort: Ja, es gibt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens: z.B. das Einhandschnitzen (i.d.R. mit einem Messer), das Kerbschnitzen, das Löffelschnitzen, das Reliefschnitzen, das Figurenschnitzen (auch Bildhauerei), das Kettensägenschnitzen usw.
    4. "
Ich hab vor, vor allem freihändig zu Schnitzen, da macht es doch dann Sinn erst einmal mit klassischen Kerbschnittmesser zu arbeiten, oder?"
    Antwort: Ja, das macht Sinn. Beim Einhandschnitzen werden vorwiegend Messer (kaum Beitel) verwendet.

    5. "Und wie schaut es bei Kerbschnittmesser mit den Verschiedenen Klingenformen aus? Meistens sieht man die klassische Rosenmesser Form, es gibt aber auch z.B. ein gebogenes Kerbschnittmesser wie bei Thomas Spangler im Versand, und viele mehr. Welche Formen sind da für die meisten Arbeiten (also bei schnitzen von kleinen Figuren etc.) wirklich nützlich?"

    Antwort: Das Rosenmesser kannst du beim Schnitzen von kleinen Figuren sehr vielseitig einsetzen. Es ist meiner Meinung nach die Grundausstattung. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Die gebogenen Kerbschnittmesser sind - wie der Name schon sagt - eher was zum Kerbschnitzen. Für's Einhand-Figurenschnitzen sind sie nicht die erste Wahl.

    6. "Bei den gängigen Marken (Stubai, Pfeil, Kirschen) scheinen die Klingenformen ziemlich identisch, aber wie schaut es mit der Stahlqualität aus?"

    Antwort: Die Stahlqualität ist bei den von dir genannten Marken sehr gut. Als Anfänger wirst du beim Schnitzen so gut wie keine Unterschiede in der Stahlqualität feststellen. Viel wichtiger ist die Schärfe. Das Messer muss immer scharf geschliffen/abgezogen sein.

    7. "Verwenden die alle einen Chrom Vanadium Stahl? Gibt es da relevante Unterschiede?" Antwort: Schnitzeisen und Beitel werden in der Regel aus hochkohlenstoffhaltigem Stahl hergestellt, nicht aus Chrom Vanadium Stahl.

    8. "Ich würde in Zukunft gern vielleicht auch mal harte Hölzer bearbeiten, muss ich das jetzt bei der Auswahl bereits berücksichtigen?"

    Antwort: Nein, die Messer der von dir genannten Marken sind für harte Hölzer sehr gut geeignet. Weichholz (z.B. Fichte) ist i.d.R. überhaupt nicht zum Schnitzen geeignet.

    9. "Natürlich ist ein Messer aus hartem HSS Stahl dabei auf Dauer von Vorteil, reicht es bei Einzelnen Projekten aber auch einfach aus, öfter mal nachzuschärfen?"

    Antwort: Von Schnitzmessern aus HSS Stahl (gibt es sowas überhaupt?) würde ich dir abraten. Schnitzmesser dürfen nicht zu hart sein, da die dünnen Spitzen sonst sehr schnell abbrechen. Sie werden stets durch regelmäßiges „Abziehen“ rasiermesserscharf gehalten. Wenn Macken drin sind, muss die Schneide neu geschliffen werden. Das ist bei HSS mit den beim Schnitzen üblichen Schleifmethoden nicht machbar.

    Hoffe, das hilft dir für's Erste. Meine Empfehlung für dich wäre die Anschaffung eines Rosenmessers und eines klassischen Schnitzmessers von Morakniv (und natürlich auch ein Schärfset dazu). Mit diesen beiden Messern lassen sich gut kleine Figuren schnitzen. Den Unterschied zwischen dem kleineren Rosenmesser und dem größeren Morakniv wirst du beim Schnitzen schnell feststellen. Jedes der beiden Messer hat seine speziellen Eigenschaften, die du beide beim Einhandschnitzen gut gebrauchen kannst. Weitere Fragen: jederzeit gerne.

    Gruß Bernd

    Hallo Sim77,

    mit deiner Frage gehst du am Besten in ein Drechslerforum. Dort sind die Profis, die dir sicher weiterhelfen können.

    Wenn ich mir deine Eisen anschaue, würde ich allerdings sagen, dass es Noname-Billigprodukte und keine Markenwerkzeuge sind.

    Gruß Bernd

    Mit einem Dremel Multi ist mir noch nie eine saubere Kerbe gelungen. Vielleicht habe ich nicht den dafür geeigneten Fräser. Beim Schnitzen verzichte ich deshalb auf dieses Maschinchen, da man nach meinem Dafürhalten ums manuelle Nachschneiden nicht drum herum kommt.

    Gruß Bernd

    Hallo Heike,

    die "Kanten" zwischen den Kugeln sind eigentlich keine Kanten. Aus schnitztechnischer Sicht sind es Kerben. Die lassen sich sowohl mit Kerbschnitzmessern (z.B. mit einem Rosenmesser oder einem Spezialmesser für Kerbschnitte wie vom Freizeitschnitzer gezeigt) als auch mit geraden Schnitzbeiteln bzw. geraden Bildhauerbeiteln (Stich 1) sauber schneiden. Ein Gaißfuß ist hier ebenfalls hilfreich, weil er in der Lage ist, der gewünschten Kerbe von Anfang an eine entsprechende Form zu verpassen. Voraussetzung bei alledem ist allerdings, dass man das saubere Schneiden von Kerben (z.B. in die Oberfläche eines geraden Brettchens) hinreichend geübt hat.

    Bei derartigen Übungen wirst du feststellen, dass auch bei dieser Schnitttechnik der Faserverlauf des Holzes eine entscheidende Rolle spielt, denn je nach dessen Verlauf fällt das Schnittresultat mal besser und mal schlechter aus. Besonders schwierig wird es, wenn du einen Faserverlauf hast, wie auf deinem Foto zwischen der dritten und vierten Kugel (von links oder von rechts gezählt) zu sehen ist. Es will partout keine Kerbe entstehen. Stattdessen dringt die Schneide tief ins Holz und spaltet nur die Fasern immer tiefer, trennt sie aber nicht. Wenn das passiert, muss die Schneide des Eisens weniger senkrecht, sondern mehr schräg gehalten werden, damit die Fasern auch tatsächlich durchtrennt werden.

    Mehr schräg halten geht aber nicht, weil die Kugel im Weg ist. Wenn die Kugel ohnehin noch etwas zu groß sein sollte, kann man von ihr ja noch was wegnehmen. Dann kommst du besser mit einem schrägen Schnitt in die Kerbe. Wenn die Kugel nicht mehr kleiner werden darf, kannst du versuchen mit einem Gaißfuß von unten nach oben (das wäre ein Schnitt quer zur Faser) die abstehenden Späne zu entfernen. Sie lassen sich aber auch mit einem Kerbschnitzmesser entfernen, wenn man wiederholt denselben Schnitt durchzieht, wobei die Schneide stets so weit wie möglich derart schräg geführt wird, dass sie beim Schnitt seitlich gegen den Span (nicht gegen die Kugel) drückt. Solange wiederholen bis der Span fällt.

    Gruß Bernd

    Hallo liebe Schnitzfreunde,

    hier kommt noch mal ein kleines Schnitzprojekt, bei dem - wie ich denke - aus der Not eine Tugend geworden ist.

    Die Not bestand darin, dass das Schlüsselgehäuse des FaWO-Klappschlüssels für unseren Wohnwagen beim Abschließen plötzlich auseinander gebrochen ist. Auf Bild 1 sieht man, dass ich die beiden schwarzen Hälften des Schlüsselgehäuses mit TESA-Film provisorisch wieder zusammengeklebt habe:

    Bild 1: Der Klappschlüssel, der nur noch von TESA-Film zusammengehalten wird

    Das hat aber nicht lange gehalten, sodass ich mich entschloss, mir einen neuen Klappschlüssel mit der passenden Schlüsselnummer zu kaufen. FaWO ist zwar ein deutscher Hersteller, aber unser Wohnwagen wurde in England hergestellt, und für dieses Land gibt es eigene Schlüsselnummern, die nur den britischen Fahrzeugherstellern zugeordnet sind. Da der Schlüssel als solcher noch funktioniert, muss ich mir eigentlich keinen Neuen besorgen (Schlüsselprofil in einen Rohling fräsen), sondern benötige lediglich ein neues Klappgehäuse. FaWO war allerdings nicht willig, mir ein neues Klappgehäuse zu schicken und verwies mich an eine englische Adresse, die mir einen neuen Klappschlüssel liefern könne. Das hat leider nicht geklappt, denn meine Anfrage bei dieser Adresse in England wurde schlicht und einfach nicht beantwortet. Im Internet fand ich dann aber eine Plattform, auf der u.a. auch britische Wohnwagenschlüssel angeboten werden. Mein Klappschlüssel war auch im Angebot, allerdings zu einem Preis von 41 Euro zuzüglich 13 Euro Versandkosten von England nach Deutschland. Dazu kommen aber noch Zollgebühren, die erst bei Lieferung an den deutschen Postboten zu zahlen sind: Größenordnung 24 Euro! Alles in allem: ca. 80 Euro für einen stinknormalen Wohnwagenklappschlüssel, der von einem deutschen Hersteller kommt, aber - wegen seiner Schlüsselnummer - nur in England nachgekauft werden kann.

    Die Tugend: Nachdem ich dies alles in Erfahrung gebracht habe, reduzierte sich mein Interesse an einem neuen Klappschlüssel auf Null. Da der Schlüssel ohne Gehäuse zwar auch funktioniert, aber nur unter größerem Kraftaufwand mit Schmerzen an den Fingern (weil dessen Packende ohne Gehäuse zu klein ist), kam ich auf die Idee, ein neues Schlüsselgehäuse zu schnitzen. Ein kleines Stück Restholz vom Pflaumenbaum wurde aufgetrennt (halbiert). In eins der beiden Stücke habe ich mit der Oberfräse eine kreisförmige Vertiefung (Durchmesser: 20 mm) gefräst. Frästiefe: 3 mm. Für den Bart des Schlüssels habe ich noch eine Aussparung geschnitzt, sodass der Schlüssel genau passend ins Holz eingelegt werden konnte. Dann die beiden Hälften mit Holzleim bestrichen und genau so wieder zusammengelegt, wie das Holz vor dem Auftrennen war. In der Hobelbank wurde es dann fest eingespannt bis die Verleimung ausgehärtet war. Anschließend wurde die endgültige Form des neuen Schlüsselgehäuses ausgearbeitet (ein Loch bohren, die Form schnitzen und schleifen). Endbehandlung: Leinöl. Nachstehend einige Fotos vom Resultat. Ich bin zufrieden.

    Gruß Bernd

    Bild 2

    Bild 3

    Bild 4

    Hallo Zillertaler,

    es freut mich auch, wieder mal was von dir zu lesen. Schade, dass du jetzt nicht mehr so aktiv sein kannst wie du es gerne möchtest. Andererseits kannst du vielleicht trotzdem noch mit Dankbarkeit auf Vieles zurückblicken, was du über viele Jahre hinweg tun konntest. Diesbezüglich bin ich ebenfalls gespannt auf deine angekündigte Schaffens-Galerie.

    Außerdem würde ich mich freuen, wenn du uns hier weiterhin mit deiner langjährigen Erfahrung zur Seite stehst. Ich denke, dass ich das im Namen aller hier teilnehmenden Schnitzfreunde sagen darf: Deine Ratschläge, Hinweise und Tipps waren und sind für uns von großem Wert. Danke dafür!

    Gruß Bernd

    Kurt Koch hat vielen Hobbyschnitzern das Schnitzen beigebracht, sei es durch Schnitzkurse in seinem Atelier in Eulenbis oder durch seine Fachbücher. Vor über 20 Jahren habe ich mir Zwei davon gekauft und dann mit dem Schnitzen angefangen. Die ersten Schnitte mit dem Rosenmesser habe ich damals nach seinen Abbildungen gemacht. Alles bestens und ausführlich erklärt. Dann habe ich sein Sonnenblumenrelief geschnitzt, das als eine Schnitzübung in einem seiner Bücher beschrieben und bebildert ist. Seine Bücher sind zwar von der Aufmachung her total veraltet, aber hier hat ein Fachmann geschrieben, der in der Lage war, dem Anfänger und dem Fortgeschrittenen genau das mitzuteilen, was zum Weiterkommen nötig ist.

    Seine Kugelgelenk-Einspannvorrichtung ist zwar (für einen Hobbyschnitzer) sehr teuer, aber nach meinem Dafürhalten das Beste, was es hierzu auf dem Markt gibt. Ich habe mir eine Gebrauchte zu einem erschwinglichen Preis von einem Profi-Schnitzer gekauft, der sein Geschäft aus Altersgründen aufgab. Bin von dem Teil - insbesondere von seiner Stabilität und seinen Drehmöglichkeiten - begeistert.

    Die Website von Kurt Koch GmbH ist inzwischen gesperrt. Offizielle Begründung: Wartungsarbeiten. Echt schade!

    Gruß Bernd

    Hallo WestFale,

    Die Messer von Stubai kommen ab Werk grob vorgeschärft an. Vor Verwendung muss man sie selbst auf Einsatzschärfe bringen. Alternativ ist Folgendes möglich: Wenn du das Messer hier bestellst, kannst du es wahlweise entweder grob vorgeschärft (d.h. Schärfe ab Werk) oder fix und fertig perfekt geschärft bestellen. Die Auswahl für geschärft ist: Ja oder Nein.

    Gruß Bernd

    Hallo Sabine,

    vielen Dank für dein Angebot. Das nehmen wir gerne an. Wir schnitzen ja nicht nur gerne selbst und zeigen unsere Arbeiten, sondern schauen uns auch ebenso gerne die Arbeiten der Anderen an. Dabei kann man ja auch immer was lernen.

    Bin gespannt auf die Fotos.

    Gruß Bernd

    Die kleinere Kuksa, die ich schon seit Herbst 2020 benutze, habe ich innen noch mal überarbeitet. Das Resultat: das Füllvolumen konnte von ca. 175 ml auf ca. 230 ml vergrößert werden. Das meiste Material habe ich dabei am Tassenboden abgetragen, indem ich am Bohrständer (bzw. an der Säulenbohrmaschine) mit einem Forstnerbohrer, Durchmesser 40 mm, etwa 12 mm tief gebohrt habe. Das Bohrloch wurde mit Schnitzeisen bis zur Wand hin aufgeweitet. Danach wurden sowohl Boden als auch Innenwand noch mal komplett überschnitzt. Zm Schluss geschliffen. Die Tasse gehört weiterhin zum Inventar meines Wohnwagens und leistet mir im Campingurlaub nach wie vor gute Dienste.

    Gruß Bernd

    p.s.: Beim Bohren hat es aufgrund eigener Unvorsichtigkeit leider einen kleinen Ausbruch am Rand der Tasse gegeben (auf dem Foto rechts neben dem Griff zu sehen), der sich aber wieder "wegschnitzen" ließ.

    Hallo Berkow,

    schön, dass hier endlich noch mal was Geschnitztes zu sehen ist. Das Interesse an unserem Hobby scheint spürbar nachgelassen zu haben.

    Die Hirtenfigur sieht gut aus. Rustikal, mit kräftigen Schultern und allem, was ein Hirte so braucht. Es könnte sich um David in jungen Jahren handeln. Er hütete die Schafe seines Vaters - und war ein Beter.

    Gruß Bernd

    Im Internet gibt es ziemlich viele Videos zum Löffelschnitzen. Nur wenige zeigen wirklich, wie man’s richtig macht. Viele hinterlassen stattdessen den Eindruck, das Löffelschnitzen sei ein Kinderspiel, denn dafür brauche man ja nur ein gerades und ein gebogenes Messer (ggf. auch noch ein Beil für den groben Zuschnitt). Damit könne man dann in den Wald gehen, ein Stück Holz auflesen oder abschneiden, und dann einen Löffel daraus schnitzen. Ja, das geht. Was dabei allerdings heraus kommt, würde ich nur in wenigen Fällen einen Löffel nennen. Okay, zum Umrühren der Outdoor-Suppe, oder wenn’s ums Überleben geht, ist das Resultat wohl zu gebrauchen, aber zuhause, im Kochtopf, in der Pfanne oder auf dem Esstisch, möchte man sowas Grobschlächtiges normalerweise nicht sehen.

    Wer dagegen schön symmetrisch geformte Löffel schnitzen will, die man ggf. auch verschenken oder gar verkaufen könnte, wird schnell die Erfahrung machen, dass es gar nicht so leicht ist, eine in jeder Hinsicht ansprechende Löffelform aus dem dafür vorgesehenen Stück Holz herauszuholen. Einen schicken Löffel mal eben so aus Grünholz zu schnitzen, dessen Form auch noch dem Verlauf der Holzfasern folgt, das ist die eigentliche hohe Kunst des Löffelschnitzens, und damit nochmal eine besondere Herausforderung.

    Der Weg dorthin gestaltet sich meiner Meinung nach wesentlich einfacher, wenn man erst mal nicht zum Schnitzen in den Wald geht, sondern sich einen vorhandenen Salat-, Koch- oder Servierlöffel aus der Küchenschublade nimmt und diesen dann einfach mal nachschnitzt. Aber nicht aus Grünholz, sondern erst mal aus einem trockenen Brettchen (z.B. aus Linden-, Weiden- oder Arvenholz). Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass man bereits eine ausgewogene, symmetrische Löffelform hat, die man auf das Brettchen legen und mit dem Bleistift umrunden kann. Natürlich müssen die Holzfasern dabei parallel zum Löffelstiel verlaufen, aber ansonsten hat der Faserverlauf bei dieser Art der Herstellung eines Löffels keinen Einfluss mehr auf dessen Form, denn die ist ja durch den Umriss und das Profil des vorhandenen Löffels bereits vorgegeben. Man kann sich dazu natürlich auch eine Schablone machen (ist sinnvoll, wenn man gleich mehrere Exemplare, oder irgendwann später noch einmal die selbe Form schnitzen möchte). Ein weiterer, für Anfänger unverzichtbarer Vorteil ist bei dieser Methode dadurch gegeben, dass man während des Schnitzens die Form des Werkstücks ständig mit dem Original vergleichen und sofort entsprechend korrigieren kann.

    Das Top-Niveau des Löffelschnitzens lässt sich mit dieser Methode selbstverständlich noch nicht erreichen, aber man ist (ohne allzu großen Frust zu erleben) immerhin schon mal ein Stückchen weiter in dieser Richtung voran gekommen. Und das macht ja auch Freude.

    Ganz nebenbei könnte man auf diese Art und Weise nicht nur schöne und nützliche Mitbringsel aus Holz anfertigen, sondern auch einen Beitrag zur Vermeidung von Umweltverschmutzungen (z.B. durch Mikroplastik, etc.) leisten, indem wieder mehr Holzlöffel und weniger Kunststofflöffel in unsere Küchen einkehren. Jedenfalls würde ich die Frage „Tupperware oder Holz?“ im vorliegenden Fall eindeutig mit „natürlich Holz“ beantworten.

    Gruß

    Bernd

    p.s.: Anbei noch ein paar Fotos (damit man auch sieht, wovon ich hier schreibe). Viel Freude beim Nachmachen!


    Foto 1: Servierlöffel nachgeschnitzt, mit Vorlage (Tupperware). Holzart: Weide


    Foto 2: So sieht die Schablone aus (bestehend aus Draufsicht und Seitenprofil)


    Foto 3: frisch geölt (mit Leinöl)

    Foto 4: der umweltfreundliche Hinweis auf der Rückseite darf natürlich nicht fehlen. Er ist nicht geschnitzt, sondern gelasert (und sieht professionell aus).

    Hallo Aspasia,

    herzlich willkommen hier im Forum für Hobbyschnitzer. Ja, das Suchen und Auswählen von geeigneten Schnitzeisen kann ziemlich frustrierend sein. Dank Internet gibt es ja ein Riesenangebot an unterschiedlichen Größen, Formen und Qualitäten. Ich denke aber, dass da auch was für deine spezielle Situation dabei ist.

    Zunächst ein paar Anmerkungen zum Löffelschnitzen. Bei der klassischen Methode wird Grünholz verwendet, und die Laffe wird normalerweise mit einem Löffelschnitzmesser ausgehöhlt. Das geht in Grünholz auch ganz gut, wenn man mit dem Umgang eines solchen Spezialmessers hinreichend geübt ist. Nimmt man das Hakenmesser (das auf dem Foto abgebildete ist von Morakniv) zum Aushöhlen von trockenem Holz, wird das Schnitzen zur Quälerei für die Finger. Hakenmesser sind fürs Grünholzschnitzen gedacht. Man wird ein Gefühl dafür entwickeln, wie so ein Messer schneidet. Es nimmt nämlich nur sehr dünne Späne ab. Will man damit tiefer eindringen - was eigentlich ja auch erwünscht ist - blockiert das Messer, bzw. man benötigt (auch bei Grünholz) viel Kraft, einen solchen Schnitt durchzuziehen. Erschwerend kommt die Tatsache hinzu - wie du schon selbst herausgefunden hast - dass die Schneide des Hakens konstruktionsbedingt ziemlich weit vom Griff entfernt ist. Man kann mit den Fingern (z.B. mit dem Daumen) also nicht nahe genug am Schnittbereich drücken. Es tut weh, wenn die Finger auf den Rücken des Hakenmessers drücken. Erleichterung hat mir hier eine "Polsterung" aus Malerkrepp verschafft (siehe Foto). Sie "verlängert" sozusagen den Griff des Messers in Richtung Schneide. Das wird dein Problem zwar auch nicht lösen, aber doch spürbar verkleinern. Wenn der Holzgriff für die Hand zu dick ist - kein Problem - den kann man sich ja selbst dünner machen.

    Es geht aber auch ganz ohne gebogene Löffelschnitzmesser. Wille Sundquist (Vater von Jögge), der berühmte Löffelschnitzer aus Schweden, nimmt zum Löffelschnitzen kein Hakenmesser in die Hand. Er macht es mit einem Hohlbeitel (englisch: Gauge). Auf YouTube gibt es ein ca. 50 minütiges Video, in dem er u.a. zeigt, wie er die "Gauge" beim Löffelschnitzen einsetzt. Dabei hält er das Eisen nicht am Heft, sondern kurz hinter der Schneide. Das funktioniert gut. Egal, wie groß oder wie klein die Hand ist.

    Aus diesem Grund würde ich dir empfehlen, mal darüber nachzudenken, ob du das Aushöhlen nicht mal mit einem Hohleisen versuchen solltest. Die gibt es nicht nur in Groß (sogenannte Bildhauereisen z.B. ganz links auf dem Foto, direkt daneben der selbe Stich 9/16, allerdings von Stubai, ist deutlich kleiner, ist mir sogar zu klein), sondern auch in Klein (bei Kirschen heißen die Kleinen "Kerbschnitzeisen", auf dem Foto in der Mitte: Stich 9/10), und sogar in ganz Klein (sogenannte Mikroschnitzeisen, auf dem Foto rechts neben dem Hakenmesser). Da ist für dich bestimmt was dabei.

    Ganz rechts: ein selbstgemachtes, sehr kleines Schnitzmesser (zum Ausschnitzen von kleinen Schriften).

    Wenn du weitere Fragen hast - gerne.

    Gruß

    Bernd

    Hallo Berkow,

    ja, man muss exakt arbeiten, vor allem, wenn man möglichst geringe Wandstärken haben möchte. Da muss man aufpassen, dass man nicht zu viel weg schneidet. Das grobe Aushöhlen der Tasse habe ich aber doch an der Drechselbank gemacht. Das geht nicht nur leichter, sondern auch deutlich schneller. Das Stirnholz reißt beim Ausdrehen allerdings gerne aus (jedenfalls bei mir, weil ich nicht so gut drechseln kann und auch keine super teuren, sondern nur einfache Drechseleisen habe). Zum Teil gehen die Ausrisse tief ins Holz (bis zu 2 mm). Das bedeutet, dass ich die letzten 2 mm vom Innendurchmesser entweder wegschleifen oder wegschnitzen muss. Man schleift allerdings extrem lange, bis man 2 mm Stirnholz abgetragen hat. Deshalb gehe ich nach dem Ausdrehen mit meinen Schnitzeisen rein und trage die letzten 2 mm Wandstärke in klassischer Schnitzarbeit ab. Insofern hast du Recht: das ist und bleibt immer noch harte und exakte Schnitzarbeit.

    Die finnischen Kuksas habe ich im Sommer 2022 in Inari (Finnland) auch bewundert. Die sind zwar nicht unbedingt schöner (nun ja, das ist Geschmacksache), dafür aber aus edlerem Material. Hier (siehe Foto) habe ich auch die Idee mit der "Schnute" entdeckt. Die verstärkt die Kuksa an ihrer schwächsten Stelle. Für eine handgefertigte finnische Kuksa kann man dann aber auch schon mal locker mehrere hundert bis weit über tausend Euro auf den Tisch legen...

    Gruß

    Bernd