Hallo Matthias,
zunächst einmal herzlich willkommen hier im Hobbyschnitzer Forum. Schön, dass du mit dem Schnitzen anfangen willst. Über den ersten Anfang bist du ja schon hinaus, denn du hast dich im Blick auf die Schnitzeisen ja schon ordentlich schlau gemacht.
Nun zu deinen Fragen:
1. "Bei den Klingenformen gibt es ja einmal die klassische Messer Form und dann Hohleisen, Geißfuß, etc." Antwort: Hohleisen, Geißfuß, etc. sind keine Messer, sondern Beitel, auch als Stechbeitel, Kerbschnitzbeitel und/oder Bildhauerbeitel bekannt.
2. "
Ich hatte davor nur das „Michel aus Lönneberga“ Bild vom Schnitzen im Kopf,"
Antwort: Der „Michel aus Lönneberga“ wird wohl ein Morakniv benutzt haben. Das ist deutlich größer als ein Rosenmesser und wird für deine Zwecke ebenfalls gut zu gebrauchen sein.
3. "Gibt es da jetzt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens oder verwendet man da immer beides?" Antwort: Ja, es gibt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens: z.B. das Einhandschnitzen (i.d.R. mit einem Messer), das Kerbschnitzen, das Löffelschnitzen, das Reliefschnitzen, das Figurenschnitzen (auch Bildhauerei), das Kettensägenschnitzen usw.
4. "
Ich hab vor, vor allem freihändig zu Schnitzen, da macht es doch dann Sinn erst einmal mit klassischen Kerbschnittmesser zu arbeiten, oder?"
Antwort: Ja, das macht Sinn. Beim Einhandschnitzen werden vorwiegend Messer (kaum Beitel) verwendet.
5. "Und wie schaut es bei Kerbschnittmesser mit den Verschiedenen Klingenformen aus? Meistens sieht man die klassische Rosenmesser Form, es gibt aber auch z.B. ein gebogenes Kerbschnittmesser wie bei Thomas Spangler im Versand, und viele mehr. Welche Formen sind da für die meisten Arbeiten (also bei schnitzen von kleinen Figuren etc.) wirklich nützlich?"
Antwort: Das Rosenmesser kannst du beim Schnitzen von kleinen Figuren sehr vielseitig einsetzen. Es ist meiner Meinung nach die Grundausstattung. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Die gebogenen Kerbschnittmesser sind - wie der Name schon sagt - eher was zum Kerbschnitzen. Für's Einhand-Figurenschnitzen sind sie nicht die erste Wahl.
6. "Bei den gängigen Marken (Stubai, Pfeil, Kirschen) scheinen die Klingenformen ziemlich identisch, aber wie schaut es mit der Stahlqualität aus?"
Antwort: Die Stahlqualität ist bei den von dir genannten Marken sehr gut. Als Anfänger wirst du beim Schnitzen so gut wie keine Unterschiede in der Stahlqualität feststellen. Viel wichtiger ist die Schärfe. Das Messer muss immer scharf geschliffen/abgezogen sein.
7. "Verwenden die alle einen Chrom Vanadium Stahl? Gibt es da relevante Unterschiede?" Antwort: Schnitzeisen und Beitel werden in der Regel aus hochkohlenstoffhaltigem Stahl hergestellt, nicht aus Chrom Vanadium Stahl.
8. "Ich würde in Zukunft gern vielleicht auch mal harte Hölzer bearbeiten, muss ich das jetzt bei der Auswahl bereits berücksichtigen?"
Antwort: Nein, die Messer der von dir genannten Marken sind für harte Hölzer sehr gut geeignet. Weichholz (z.B. Fichte) ist i.d.R. überhaupt nicht zum Schnitzen geeignet.
9. "Natürlich ist ein Messer aus hartem HSS Stahl dabei auf Dauer von Vorteil, reicht es bei Einzelnen Projekten aber auch einfach aus, öfter mal nachzuschärfen?"
Antwort: Von Schnitzmessern aus HSS Stahl (gibt es sowas überhaupt?) würde ich dir abraten. Schnitzmesser dürfen nicht zu hart sein, da die dünnen Spitzen sonst sehr schnell abbrechen. Sie werden stets durch regelmäßiges „Abziehen“ rasiermesserscharf gehalten. Wenn Macken drin sind, muss die Schneide neu geschliffen werden. Das ist bei HSS mit den beim Schnitzen üblichen Schleifmethoden nicht machbar.
Hoffe, das hilft dir für's Erste. Meine Empfehlung für dich wäre die Anschaffung eines Rosenmessers und eines klassischen Schnitzmessers von Morakniv (und natürlich auch ein Schärfset dazu). Mit diesen beiden Messern lassen sich gut kleine Figuren schnitzen. Den Unterschied zwischen dem kleineren Rosenmesser und dem größeren Morakniv wirst du beim Schnitzen schnell feststellen. Jedes der beiden Messer hat seine speziellen Eigenschaften, die du beide beim Einhandschnitzen gut gebrauchen kannst. Weitere Fragen: jederzeit gerne.
Gruß Bernd