Das perfekte Schnitzmesser?

  • Hallo Zusammen,

    ich habe neuerdings mein Interesse am Hobby Schnitzen entdeckt und dachte mir da bin ich hier an der richtigen Adresse :)
    Zu Beginn steht natürlich erst einmal die Anschaffung von passenden Schnitzeisen/Messern im Raum und hier möchte ich gleich einen wohlüberlegten Kauf tätigen um Frust im Nachhinein zu vermeiden.

    Ich hab bereits einiges im Internet gestöbert, dabei haben sich mir aber einige Fragen aufgetan, bei denen ich hoffe, dass mir hier wer weiterhelfen kann:

    Bei den Klingenformen gibt es ja einmal die klassische Messer Form und dann Hohleisen, Geißfuß, etc.
    Ich hatte davor nur das „Michel aus Lönneberga“ Bild vom Schnitzen im Kopf, dass zum Schnitzen aber auch Schnitzeisen verwendet werden wusste ich noch garnicht. Gibt es da jetzt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens oder verwendet man da immer beides?
    Ich hab vor, vor allem freihändig zu Schnitzen, da macht es doch dann Sinn erst einmal mit klassischen Kerbschnittmesser zu arbeiten, oder?

    Und wie schaut es bei Kerbschnittmesser mit den Verschiedenen Klingenformen aus?
    Meistens sieht man die klassische Rosenmesser Form, es gibt aber auch z.B. ein gebogenes Kerbschnittmesser wie bei Thomas Spangler im Versand, und viele mehr. Welche Formen sind da für die meisten Arbeiten (also bei schnitzen von kleinen Figuren etc.) wirklich nützlich?

    Bei den gängigen Marken (Stubai, Pfeil, Kirschen) scheinen die Klingenformen ziemlich identisch, aber wie schaut es mit der Stahlqualität aus?
    Verwenden die alle einen Chrom Vanadium Stahl? Gibt es da relevante Unterschiede?

    Ich würde in Zukunft gern vielleicht auch mal harte Hölzer bearbeite, muss ich das jetzt bei der Auswahl bereits berücksichtigen?
    Natürlich ist ein Messer aus hartem HSS Stahl dabei auf Dauer von Vorteil, reicht es bei Einzelnen Projekten aber auch einfach aus, öfter mal nachzuschärfen?

    So das was jetzt erstmal mit Fragen zu den Messern an sich, natürlich ist das schärfen ein mindestens genauso wichtiges Thema, das aber dann erst in einem weiteren Beitrag :)

    Gruß Matthias

  • Hallo Matthias,

    zunächst einmal herzlich willkommen hier im Hobbyschnitzer Forum. Schön, dass du mit dem Schnitzen anfangen willst. Über den ersten Anfang bist du ja schon hinaus, denn du hast dich im Blick auf die Schnitzeisen ja schon ordentlich schlau gemacht.

    Nun zu deinen Fragen:

    1. "Bei den Klingenformen gibt es ja einmal die klassische Messer Form und dann Hohleisen, Geißfuß, etc." Antwort: Hohleisen, Geißfuß, etc. sind keine Messer, sondern Beitel, auch als Stechbeitel, Kerbschnitzbeitel und/oder Bildhauerbeitel bekannt.
    2. "
Ich hatte davor nur das „Michel aus Lönneberga“ Bild vom Schnitzen im Kopf,"
    Antwort: Der „Michel aus Lönneberga“ wird wohl ein Morakniv benutzt haben. Das ist deutlich größer als ein Rosenmesser und wird für deine Zwecke ebenfalls gut zu gebrauchen sein.

    3. "Gibt es da jetzt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens oder verwendet man da immer beides?" Antwort: Ja, es gibt unterschiedliche Disziplinen des Schnitzens: z.B. das Einhandschnitzen (i.d.R. mit einem Messer), das Kerbschnitzen, das Löffelschnitzen, das Reliefschnitzen, das Figurenschnitzen (auch Bildhauerei), das Kettensägenschnitzen usw.
    4. "
Ich hab vor, vor allem freihändig zu Schnitzen, da macht es doch dann Sinn erst einmal mit klassischen Kerbschnittmesser zu arbeiten, oder?"
    Antwort: Ja, das macht Sinn. Beim Einhandschnitzen werden vorwiegend Messer (kaum Beitel) verwendet.

    5. "Und wie schaut es bei Kerbschnittmesser mit den Verschiedenen Klingenformen aus? Meistens sieht man die klassische Rosenmesser Form, es gibt aber auch z.B. ein gebogenes Kerbschnittmesser wie bei Thomas Spangler im Versand, und viele mehr. Welche Formen sind da für die meisten Arbeiten (also bei schnitzen von kleinen Figuren etc.) wirklich nützlich?"

    Antwort: Das Rosenmesser kannst du beim Schnitzen von kleinen Figuren sehr vielseitig einsetzen. Es ist meiner Meinung nach die Grundausstattung. Mehr braucht es für den Anfang nicht. Die gebogenen Kerbschnittmesser sind - wie der Name schon sagt - eher was zum Kerbschnitzen. Für's Einhand-Figurenschnitzen sind sie nicht die erste Wahl.

    6. "Bei den gängigen Marken (Stubai, Pfeil, Kirschen) scheinen die Klingenformen ziemlich identisch, aber wie schaut es mit der Stahlqualität aus?"

    Antwort: Die Stahlqualität ist bei den von dir genannten Marken sehr gut. Als Anfänger wirst du beim Schnitzen so gut wie keine Unterschiede in der Stahlqualität feststellen. Viel wichtiger ist die Schärfe. Das Messer muss immer scharf geschliffen/abgezogen sein.

    7. "Verwenden die alle einen Chrom Vanadium Stahl? Gibt es da relevante Unterschiede?" Antwort: Schnitzeisen und Beitel werden in der Regel aus hochkohlenstoffhaltigem Stahl hergestellt, nicht aus Chrom Vanadium Stahl.

    8. "Ich würde in Zukunft gern vielleicht auch mal harte Hölzer bearbeiten, muss ich das jetzt bei der Auswahl bereits berücksichtigen?"

    Antwort: Nein, die Messer der von dir genannten Marken sind für harte Hölzer sehr gut geeignet. Weichholz (z.B. Fichte) ist i.d.R. überhaupt nicht zum Schnitzen geeignet.

    9. "Natürlich ist ein Messer aus hartem HSS Stahl dabei auf Dauer von Vorteil, reicht es bei Einzelnen Projekten aber auch einfach aus, öfter mal nachzuschärfen?"

    Antwort: Von Schnitzmessern aus HSS Stahl (gibt es sowas überhaupt?) würde ich dir abraten. Schnitzmesser dürfen nicht zu hart sein, da die dünnen Spitzen sonst sehr schnell abbrechen. Sie werden stets durch regelmäßiges „Abziehen“ rasiermesserscharf gehalten. Wenn Macken drin sind, muss die Schneide neu geschliffen werden. Das ist bei HSS mit den beim Schnitzen üblichen Schleifmethoden nicht machbar.

    Hoffe, das hilft dir für's Erste. Meine Empfehlung für dich wäre die Anschaffung eines Rosenmessers und eines klassischen Schnitzmessers von Morakniv (und natürlich auch ein Schärfset dazu). Mit diesen beiden Messern lassen sich gut kleine Figuren schnitzen. Den Unterschied zwischen dem kleineren Rosenmesser und dem größeren Morakniv wirst du beim Schnitzen schnell feststellen. Jedes der beiden Messer hat seine speziellen Eigenschaften, die du beide beim Einhandschnitzen gut gebrauchen kannst. Weitere Fragen: jederzeit gerne.

    Gruß Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Eine sehr gute und umfangreiche Antwort.

    Ich würde ja empfehlen, einfach ein Messer auszuprobieren und dann dort zu erweitern, wo man an seine Grenzen stößt.


    Schnitzt du Bärte an Männchen? Ein V-Tool ist dein Freund.

    Musst du viel Material abtragen? Ein Mora 120 ist dafür bestens geeignet.


    Bedenke: die klassischen, europäischen Hersteller wie Kirschen, Pfeil und Stubai haben verhältnismäßig dünne Griffe. Das ermüdet die Finger zügiger als die Griffe von Flexcut oder Beavercraft.


    Unter Beavercraft würde ich auch nicht einsteigen bei den Messern. Da stimmt Preis - Leistung auf der Leistungsseite.

    Das C8 kann ich für den Einstieg sehr empfehlen.

    • Offizieller Beitrag

    kleine technische Ergänzung:

    Pfeil (Swiss Made) = Chrom-Vanadium
    Stubai und Kirschen = Kohlenstoff

    80% der Beavercraft/Stryi sind im Vergleich viel zu weich geschmiedet!
    Die Klingen verlieren schnell an schärfe. Deren (aggressives) Marketing ist besser als deren Produkt.

  • Hallo,

    Angaben zu meiner Person sehe ich als unwichtig.

    Ich möchte lediglich ein paar Ergänzungen hinzufügen, die bei den ganzen Empfehlungen nicht oder nur teilweise angesprochen wurden.

    Zunächst eine Richtigstellung,ein Einhandschnitzen gibt es in der Bildhauerei nicht. Zum Schnitzen mit einem einfachen Messer braucht es immer beide Hände. Eine Hand die das Werkzeug hält und eine weitere die das Werkstück hält, wobei der Daumen der Werkstück haltenden Hand gegen den Rücken der Messerlinge drückt um die Tiefe des Schnittes zu bestimmen. Es ist prinzipiell darauf zu achten, das die Schneide eines Messers immer vom Körper weg gerichtet ist. Alles andere hat mit einem kontrollierten Schnitzen nichts zu tun.

    Es gibt eine Ausnahme. Beim Kerbschnitzen stützt sich der Damen der das Messer hält auf dem Werkstück ab und steuert zugleich die Kraft und führt mit den 4 Finger die das Messer halten den Schnitt aus. Trotzdem braucht es eine zweite Hand um das Werkstück zu halten und für den nächsten Schnitt zu drehen.

    Bei der Verwendung von Schnitzeisen sollte das Werkstück immer eigespannt sein, um das Werkzeug mit beiden Händen halten und führen zu können.

    Kerbschnitzen ist eine sehr gute Möglichkeit um einen guten Einstig in die Hobbyschnitzerei zu erhalten wobei der Anfänger auch gleich den Erfolg sieht wenn alles richtig ist.. Als Anfänger empfehle ich die Verwendung von Lindenholz. Hier erfährt der Anfänger gleich in welcher Richtung sich das Holz gut oder schlecht schneiden lässt.

    Das Kerbschnitzen besteht aus einer Aneinanderreihung kleiner geometrischer Formen die in ihrer Gleichmäßigkeit ein Muster ergeben.

    Die Verwendung von Kerbschnitzmessern ist regional bedingt, so das das Kerbschnitzen z.B. in Österreich mit Balleisen, Geifüßen und beidseitig schräg geschliffenen Balleisen praktiziert wird und nicht wie bei uns mit einem Messer. Jeder sollte für sich abwägen welche Vorgehensweise für ihn die Richtige ist. Nur als Beispiel, auch „Mr. Schnitz“ in seinen YouTube Videos verwendet Bildhauerwerkzeuge für das Kerbschnitzen, wie er es auf der Schule gelehrt wird.

    Die Verwendung von Messern beziehen sich lediglich auf ÜberlieferungenMan kann das Kerbschnitzen mit einem Rosenmesser praktizieren, um jedoch das Handgeken zu entlasten gibt es auch Kerbschnitzmesser mit einer abgewinkelten Klinge. Alle indutriell hergestellten Schnitzmesser haben eine Härte von 56-58 Rockwell die somit leicht flexibel sind und auch Anfängerfehler vermeiden und sind beidseitig in einem Fasenwikel von je 12 Grad geschliffen. Von HSS ( Hochleistungs-Schnitt-Stahl ) Schnitzmessern wie sie von Pfeil angeboten werden rate ich ab. Sie besitzen eine Härte von 63 Rockwell und sind für Schnitzanfänger ungeeignet da alle Anfänger dazu neigen, mit der Klinge eines Messers hin und her zu wippen um einen Span zu lösen. Das vertragen HSS Messer leider nicht so das auf Grund ihrer Härte ganz schnell Teile aus der Schneide ausbrechen und das Messer unbrauchbar wird. Genau aus diesem Grund muss ein Schnitzanfänger erst das richtige Schneiden mit einem Messer erlernen.

    Für das Kerbschnitzen eiget sich jedoch auch ein weiteres Messer russischer Bauform, mit einer kutzen Klinge, ähnlich eines beidseitig schräg geschliffenen Balleisens.

    Ich wünsche dem Neuling viel Erfog beim Einstieg in die Hobbyschnitzerei.

    Gruß

  • Hallo Mr. Noname,

    vielen Dank für deine Ergänzungen. Meine Antwort auf die Fragen von Matthias war vielleicht etwas missverständlich. Mit Einhandschnitzen meine ich nicht die klassische Bildhauerei, sondern jene Schnitztechnik, bei der das Schnitzwerkzeug (das ist in den meisten Fällen ein Messer) mit nur einer Hand geführt wird, während die andere Hand das Werkstück festhält. Das nenne ich "Einhandschnitzen". Die andere Variante ist das Schnitzen mit beiden Händen. Dabei ist das Werkstück fixiert (eingespannt, festgeklemmt oder festgeschraubt) und beide Hände führen das Werkzeug in/durch das Holz (mit oder ohne Klüpfel-Unterstützung).

    So gesehen gibt es das Einhandschnitzen also doch. Im Englischen wird es "Whittling" genannt, das vom "Carving" unterschieden wird.

    Gruß Bernd

    Holz ist eine geniale Idee des Schöpfers.

  • Hallo WestFale,

    ich muß an dieser Stelle dein Zitat welches du als "faktisch Falsch" bewertest hat noch berichtigen,denn du hast da mit deiner Aussage nicht ganz Unrecht.

    Es gibt beim Freihand oder Einhand Schnitzen noch die Möglichkeit, gegen die Innenfläche des Daumens zu schneiden, was aber ohne Schutz der Daumen nicht lange mitmacht. In diesem Fall bewegt sich die Schneide zum Körper wird aber durch den Daumen gestoppt.

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